Rassen

Ziegenrassen in der Schweiz

Die Schweiz weist trotz ihrer kleinen Landfläche eine ansehnliche Vielfalt an Ziegenrassen auf. Die meisten Rassen haben ihren Ursprung in der Schweiz. Ein Grossteil der in der Schweiz vorkommenden Ziegenrassen sind dem Herdebuch des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes angeschlossen. Genaue Angaben zu den Rassenstandards und zu den Bockmutterlisten sind auf der Website des SZZV zu finden. 

Hauptrassen

Saanenziege

Ihren Ursprung hat die rein weisse Saanenziege im Saanenland und Obersimmental (Kanton Bern). In der Schweiz weist sie den zweithöchsten Herdebuchbestand auf. Die Saanenziege zeichnet sich durch ihre hohe Leistungsbereitschaft aus und ist daher bestens für die Milchproduktion geeignet. Zusammen mit ihren guten funktionellen Merkmalen macht sie dies zu einer wirtschaftlichen Rasse. Diese Eigenschaften werden auch von Züchtern im Ausland geschätzt, wo die Rasse in Reinzucht und auch als Veredlungsrasse anzutreffen ist.

 


Toggenburgerziege

Das Zuchtgebiet der Toggenburgerziege hat sich im Laufe der Zeit vom Ursprungsgebiet, dem Toggenburg (Kanton St. Gallen), auf die ganze Schweiz und das Ausland ausgeweitet. Im englischsprachigen Raum werden ihre typischen weissen Abzeichen «swiss markings» genannt. Charakteristisch für diese Rasse sind die längeren Haare über den Rücken und die Schenkel, welche als Mäntelchen bezeichnet werden. Züchter schätzen an der milchbetonten Toggenburgerziege auch ihr gutes Fundament

 


Gämsfarbige Gebirgsziege

Ursprünglich entwickelte sich die Gämsfarbige Gebirgsziege aus zwei Regionalschlägen. Es sind dies der hornlose Oberhasli-Brienzer- und der behornte Bündner-Typ. Heute ist sie die Rasse mit den meisten Herdebuchtieren in der Schweiz. Dies nicht zuletzt dank der ansehnlichen Milchleistung und der überdurchschnittlichen Gehalte an Milchinhaltsstoffen. Gämsfarbige Gebirgsziegen gelten zudem als sehr anpassungsfähige Tiere. So sind sie heute genauso im Talgebiet anzutreffen wie in den ursprünglichen Gebirgsregionen.

Gefährdete Rassen

Apenzellerziege

Wie ihr Name bereits verrät, stammt die Appenzellerziege aus den beiden Kantonen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden. Dort ist sie bis heute fester Bestandteil der regionalen Tradition und Kultur. So ist sie z. B. treue Begleiterin bei Alpauftrieben und -abtrieben. Die Milchleistung der Appenzellerziege kann sich sehen lassen, kommt sie doch aus einer von der Milchwirtschaft geprägten Gegend der Schweiz. Sie wird traditionell mit Glöckchen (Hautanhängsel an der Halsunterseite), auch Berlocken genannt, gezüchtet.

Bündner Strahlenzieg

Der Name Bündner Strahlenziege setzt sich einerseits aus ihrer Herkunft, dem Kanton Graubünden und ihrer Kopfzeichnung, den weissen Strahlen zusammen. Obwohl sie noch immer zu den gefährdeten Rassen zählt, mausert sie sich zunehmend zu einer wirtschaftlichen Milchziege. Auf Grund ihrer Widerstandsfähigkeit und Robustheit kommt sie auch mit rauem Klima gut zurecht. Die Bündner Strahlenziege ist eine Gebirgsrasse und bewegt sich trittsicher in jedem Gelände.

 


Nera Verzasca

Die Wiege der Nera Verzascaziege liegt im Tessin, insbesondere dem Verzasca Tal. Diese rein schwarze Ziegenrasse ist gefährdet und weist von allen Herdebuchrassen am wenigsten Tiere aus. Sie ist ausgesprochen temperamentvoll und ihre Anpassungsfähigkeit an hohe wie auch tiefe Temperaturen machen sie zu einer robusten Rasse. Viele Nera Verzascaziegen werden die meiste Zeit im Freien gehalten. Dort sorgen sie dafür, dass Büsche und Bäume zurückgedrängt werden und so die offene Landschaft erhalten bleibt.

Walliser Schwarzhalsziege

Die Gebirge und Täler des Wallis sind die Heimat der Walliser Schwarzhalsziege. Durch das Beweiden von steilen Hängen leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege. Das lange Haarkleid und die klar getrennte schwarz-weisse Färbung sind ihr Markenzeichen, genauso wie die Hörner, die alle Ziegen und Böcke dieser Rasse tragen. Ihre Haare schützen sie vor Wind und Wetter, benötigen aber entsprechende Pflege. Meist werden Walliser Schwarzhalsziegen nicht gemolken, weshalb sie einer Aufzuchtleistungs-prüfung unterstellt werden.

Pfauenziege

Die aus dem Kanton Graubünden stammende Pfauenziege hiess ursprünglich Pfavenziege. Als Pfaven werden die schwarzen Abzeichen entlang des Nasenrückens und über die Wange bezeichnet, die für diese Rasse typisch sind. Früher beinahe ausgestorben, zählt sie noch heute zu den gefährdeten Rassen. Züchter schätzen ihre robuste und genügsame Art, durch die sie auch für eine extensive Haltung gut geeignet ist. Auch schwer zugängliche Flächen, die nicht maschinell bewirtschaftet werden
können, stellen für sie kein Problem dar.

Capra Sempione

Die Capra Sempione (Simplonziege), im Walliserdialekt auch «Simplerziege» genannt, stammt ursprünglich aus der namensgebenden Simplonregion. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich sowohl auf Schweizer wie auch auf italienischer Seite in die nördlichsten Regionen des Piemont hinein. Die Capra Sempione hat einen schlanken Körperbau, lange, schneeweisse Haare und imposante Hörner, besonders die Böcke. Seit 2022 führt der SZZV das Herdebuch für die Capra Sempione.

Kupferhalsziege

Die Kupferhalsziege hat ihren Ursprung im Wallis. Durch die Rassenbereinigung im Jahr 1938 geriet diese Rasse in Vergessenheit. Im Jahr 2006 wurde ProSpecieRara auf sie aufmerksam und konnte noch 28 Kupferhalsziegen im Berner Oberland und im Wallis ausfindig machen. Sie dienten als Basis für ein ambitioniertes Rettungsprojekt mit strengen Inzuchtkontrollen. Da das Rettungsprojekt sich am alten Typus orientiert, wird eine etwas kürzere und damit auch pflegefreundlichere Haarpracht angestrebt. Das kommt der extensiven Haltung auf der Alp oder in Beweidungsprojekten zugute, wo sich die Tiere weniger im Buschwerk verfangen. 

Grüenochte Geiss

Mit «Grüenochte Geiss» oder «Grüenochti» wird im Walliserdialekt die vorne grau-schwarz-weiss-melliert gezeichnete Ziegenrasse aus dem Wallis bezeichnet. Trotz langer Tradition wurde auch sie im Jahr 1938 nicht als Rasse anerkannt. Im Laufe des Rettungsprojekts für die Kupferhalsziege, stiess ProSpecieRara sowohl auf die ganz weisse Capra Sempione als auch auf die Grüenochte Geiss. Ihre meist lebendig-melliert gefärbte Vorderhälfte verleiht den Tieren ein urchiges Äusseres, was ihre Robustheit optisch unterstreicht. Die Haarlänge ist wie bei den Kupferhalsziegen und der Capra Sempione kürzer als bei den Walliser Schwarzhalsziegen. 

Importierte Rassen

Anglo Nubian

Die Anglo Nubian ging aus Kreuzungen von afrikanischen und englischen Landschlägen hervor. Charakteristisch für diese grossgewachsene Rasse sind die langen geschwungenen Ohren und die Ramsnase. Der Hauptgrund für den Import von Ziegen der Rasse Anglo Nubian liegt in den hervorragenden Gehalten an Milchinhaltsstoffen. Aufgrund ihrer Herkunft weist sie eine gute Hitzeverträglichkeit auf. Die ersten Tiere dieser Rasse wurden 2002 in das Herdebuch aufgenommen.

Burenziege

 
Die aus Südafrika stammende Burenziege wird gezielt auf eine gute Fleischleistung gezüchtet. Die Zuwachsleistungen der Jungtiere werden mittels Aufzuchtleistungsprüfung erhoben. Dabei sind Mehrlingsgeburten bei dieser Rasse die Regel. Burenziegen werden als Mutterziegen gehalten und haben einen ausgeprägten Mutterinstinkt, verfügen aber dennoch über einen ruhigen Charakter. Dank ihrer genügsamen Art, können sie gut zur Beweidung von Naturschutzgebieten und Restflächen eingesetzt werden.

Tauernschecke

Bei den Tauernschecken handelt es sich um die jüngste Herdebuchrasse. Die aus dem benachbarten Österreich stammende Gebirgsrasse ist seit 2017 dem schweizerischen Herdebuch angeschlossen.
Ihr Name setzt sich aus ihrem Ursprungsgebiet, den Hohen Tauern und der farbenfrohen Musterung ihres Haarkleides zusammen. Die robuste Rasse gilt in ihrer Heimat aufgrund der geringen Tieranzahl als gefährdet. Hierzulande wird sie für die Beweidung von unwegsamen Flächen sowie zur Milchproduktion genutzt.